Lebensboden

Alleinsein als Lebensgrund Alleinsein nicht nur ein Zufluchtsort, an dem ich Atem hole, sondern ein Ort, an dem ich mich beheimate. »Jenes Alleinsein, in dem ich mich seit zwanzig Jahren befestigt habe, darf nicht zu einer Ausnahme werden, zum ‚Urlaub‘, den ich mir, unter vielen Rechtfertigungen, bei einem überwachenden Glück ausbitten müßte. Ich muß grenzenlos… Lebensboden weiterlesen

Schattenflucht

»Es gibt eine Wahrheit, die sich nur in der Einsamkeit offenbart. Eine Erkenntnis, die durch das Tun zerstört wird, die an der kleinsten Berührung mit der Welt zerbricht: das Wissen darum, daß wir verlassen sind, in der hintersten Ecke des nur flüchtig skizzierten Raums. Das ist die Wahrheit, die der Handelnde leugnet.« – Richard Powers,… Schattenflucht weiterlesen

Kurzbuch

»Die meisten Leute halten Einsamkeit für eine Lebensphase, für eine notwendige Jugendsünde, eine unglückliche Entwicklung im Alter, eine Störung, einen Betriebsunfall, eine Marotte, eine Angelegenheit von ein paar Stunden, Tagen, Monaten, schlimmstenfalls eine Summe von Jahren. Nur die wenigsten wissen, daß sie eine Göttin ist, die ihre Macht von Tag zu Tag vergrößert, bis sie… Kurzbuch weiterlesen

Das war die Einsamkeit

»Das also war die Einsamkeit: sich plötzlich auf der Welt zu finden, als wäre man soeben von einem andern Planeten gekommen, ohne zu wissen, weshalb man von ihm verstoßen wurde. Zwei Dinge hat man mitnehmen dürfen (in meinem Fall den Sessel und die Uhr), die man nun auf dem Buckel tragen muß wie einen Fluch,… Das war die Einsamkeit weiterlesen

L’avalée des avalés

»Das Leben spielt sich nicht auf der Erde ab, sondern in meinem Kopf. Das Leben ist in meinem Kopf, und mein Kopf ist im Leben. Ich bin umfangen und umfangend. Ich bin die vom Verschlungenen Verschlungene.« – Réjean Ducharme, Von Verschlungenen verschlungen

Unwissenheit

»Er wusste nicht, dass sie weinte, weil er nicht wusste, dass erwachsene Menschen weinten, und als er das lernte, hatte die Erinnerung sie vergessen.« – William Faulkner, Licht im August

Phantasma

»Wozu dient das Objekt? Dazu, der Angst eine sexuelle Existenz zu verleihen. Narziß gelingt das nicht. Er ist in einer anderen Dimension. Seine nicht an ein Objekt gebundene Angst kehrt zu ihm zurück, und wenn er in diesem Zurückschnellen erkennt, daß der andere in der Quelle nur er selbst ist, hat er einen psychischen Raum… Phantasma weiterlesen

Eurydike

»Die Geschichte von Eurydike ist mißverstanden worden. Die Geschichte handelt eigentlich von der Einsamkeit des Todes. Eurydike ist in ihrem Totenhemd in der Hölle. Sie glaubt, Orpheus liebe sie genug, um sie retten zu kommen. Doch am Ende ist Orpheus‘ Liebe nicht stark genug. Orpheus läßt die geliebte Frau zurück und kehrt zum eigenen Leben… Eurydike weiterlesen

Dionysisch

»Das Element der Zerreißung und Zerfleischung, das zum Kern des Dionysosmythos gehört, lenkt unsere Aufmerksamkeit auf die Thematik des Oralen, die für den Mythos wie für den Kult des Gottes in beherrschendem Ausmaße kennzeichnend ist.“ Die Oralität besteht in der Einverleibung des geliebten Objekts und seiner eruptiven Ausstoßung. Es gibt kein Behalten zwischen Aufnehmen und… Dionysisch weiterlesen

Prosymnos

»Als Dionysos umherirrte, um seine Mutter Semele in der Unterwelt zu suchen, traf er einen Jüngling namens Prosymnos, der sich erbot, ihm den Weg zur Unterwelt zu zeigen, wenn er ihm zu Willen wäre. Dionysos erklärte sich dazu bereit, wenn er aus der Unterwelt zurückgekehrt sei. Darauf zeigte ihm der Jüngling den Weg, und Dionysos… Prosymnos weiterlesen